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Vom Weißen Schwanen zum Goldenen Adler.

Unser Haus an der Handschuhsheimer Landstraße 96 gehört zu den alten Gasthäusern von Hendesse, und es trägt seine Geschichte bis heute im Namen.

Zum Weißen Schwanen

Lange bevor der Adler über der Tür hing, kehrte man hier „Zum Weißen Schwanen" ein. Das Gasthaus lag damals wie heute an der alten Landstraße, die durch Handschuhsheim nach Norden führt: dort, wo das Dorf seinen Durst löschte und Neuigkeiten schneller die Runde machten als die Fuhrwerke davor.

Aus dieser Zeit haben sich echte Zeugen erhalten: die nachgedunkelten Wandgemälde in unserer Stube. Sie entstanden in den 1870er Jahren, kurz nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Maler brachten sie damals direkt auf die Wand und erkauften sich damit Speis und Trank. Über 150 Jahre später schauen die Bilder unseren Gästen noch immer beim Essen zu.

Alte, nachgedunkelte Wandgemälde aus den 1870er Jahren in der Gaststube, davor eine Messinglampe
Speis und Trank gegen Kunst: die Wandgemälde aus den 1870er Jahren.

1886: Familie Gilbert, Wirtschaft & Brauerei

1886 übernahmen Sofie und Peter Gilbert den Schwanen, und zwar nicht nur die Gastwirtschaft, sondern auch die dazugehörige Bierbrauerei. In unserem Haus wurde also einst selbst gebraut. Ab 1916 führte ihr Sohn Albert Gilbert die Wirtschaft weiter. Die Gilberts galten als Gastwirte, die „weit über Handschuhsheim hinaus bekannt und beliebt" waren, und prägten das Haus über Jahrzehnte mit ihrem eigenen Stil von Gastfreundschaft.

An diese Familie erinnert bis heute unser Name: Gilbert's.

Vereinslokal, Bohème, Studentenkneipe

Im selben Jahr, in dem die Gilberts den Schwanen übernahmen, wurde in Handschuhsheim der Turnverein 1886 gegründet, und der „Goldene Adler", wie das Haus inzwischen hieß, wurde für viele Jahre sein Vereinslokal. In den Heidelberger Adressbüchern der Zwischenkriegszeit ist das schwarz auf weiß nachzulesen: Hier wurde geturnt, getagt und gefeiert, hier hielt der Verein seine Generalversammlungen ab. Nach Albert Gilbert führte Josef Schuhmacher das Lokal weiter, und der Adler blieb, was er war: eine Wirtschaft mitten im Leben des Stadtteils, später auch bei Heidelbergs Studenten ein beliebtes Ziel.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg fand dann die Heidelberger Bohème in Handschuhsheim zusammen, und ihr Stammtisch stand bei uns: Ein Kreis von Intellektuellen und Künstlern traf sich so regelmäßig im Gilbert's, dass er sich kurzerhand nach dem Haus benannte: die „Gilbertisten". Zur Nachbarschaft jener Jahre gehörte auch die bekannte Karikaturistin Marie Marcks.

Seit 1997: Familie Löchel & die Alt-Hendesse-Familie

Seit 1997 führt Familie Löchel das Haus als „Gilberts Goldener Adler", das zweite Wirtshaus der Familie rund um die Weinwirtschaft Alt Hendesse, dem Stammhaus am Eingang zum Mühltal. Auf den Tisch kommt gutbürgerliche, süddeutsche Wirtshausküche.

Und manches hat sich in all den Jahren gar nicht geändert: Gekocht wird hausgemacht, das Gemüse kommt von der Gärtnerei Lenz aus dem Hendsemer Feld, das Fleisch kommt seit jeher vom gleichen regionalen Metzger.

Quellen: Heidelberger Geschichtsverein, ABC der Gasthäuser (nördliche Stadtteile); Heidelberger Adressbücher der 1920er/30er Jahre; Rhein-Neckar-Zeitung, Januar 2024.